Jona: Eine „Ohne-mich-Geschichte“ in der Bibel

„Ohne mich!“ Das ist heute ebenso Thema, wie in anderen Zeiten. Schon in der Bibel gibt es eine ganze Reihe „Ohne-mich-Geschichten“. Mose hat Einwände gegen seine Berufung, das Volk Israel aus Ägypten herauszuführen (2. Mose 4), der Prophet Jeremia sagt: „Ich tauge nicht, ich bin zu jung“ (Jer. 1,6). Mehr als Einwände hat Jona. Er flieht. Er soll nach Ninive gehen, um 700 v. Chr. die Hauptstadt des mächtigen Reiches der Assyrer, und „gegen sie predigen“ (Jona 1,2). Statt dorthin zu gehen, haut er ab in die Gegenrichtung: nach Westen, zum Meer, „weit weg vom Herrn“ (Jona 1,3). Doch es gibt kein Entrinnen. Ein Sturm zieht auf und gefährdet Schiff und Mannschaft. Jona ahnt: Es geht um ihn. Gott holt ihn ein. Er ist bereit zum Opfer, lässt sich über Bord werfen, und das Schiff ist gerettet.

Auch Jona wird wunderbar gerettet, so erzählt es die Geschichte: Ein großer Fisch trägt ihn ans Ufer. Wieder ergeht der Auftrag: „Geh nach Ninive und predige.“ Nun tut er es, geht hin und ruft: „Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen.“

Wider Erwarten ergreift eine große Bußbewegung die Stadt. Die Menschen gehen in Sack und Asche, vom Kind bis zum König. Dieser befiehlt: „Ein jeder kehre um von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! Wer weiß, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben.“

Tatsächlich: Gott wendet seinen Sinn. Die Stadt wird verschont. Das erzürnt nun den Propheten. Er sei geflohen, spricht er im Gebet zu Gott, weil er wusste, dass Gott gnädig und barmherzig sei und sich gewiss umstimmen ließe durch die Buße der Bösen. Nun will er lieber sterben, zieht vor die Stadt um zu sehen, ob sie nicht doch untergeht. Doch Gott bleibt bei seinem Entschluss: Ninive wird gerettet.

Lesen Sie doch diese Geschichte aus vergangener Zeit einmal in Ruhe nach. Bescheiden steht sie zwischen den Prophetenbüchern im Alten Testament der Bibel. Es gibt Bezüge zur Geschichte Jesu: Drei Tage ist Jona im Bauch des Fisches, drei Tage ist Jesus im Reich des Todes, ehe er auferweckt wird. Es gibt Bezüge zum schönen Psalm 139: „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten“ (Ps. 139,9+10).

Jona will sich nicht in die Pflicht nehmen lassen, und ich will es oft auch nicht. Zwei Sommer mit merkwürdigem Wetter bei uns, eindeutige Zeichen der Klimakatastrophe weltweit mahnen uns zur Umkehr. Es gibt Propheten wie „Fridays for Future“, Klimaforscher oder „Wetterfrosch“ Sven Plöger, die sagen: „Es ist höchste Zeit!“ Doch zu viele sagen: „Ohne mich!“ Die Jona Geschichte ist im Hinblick auf Ninive da ganz anders, ganz glatt: Alle tun Buße und ändern ihr Leben. Und Gott ändert seinen Plan: Der Untergang wird abgesagt.

Die Klimakatastrophe ist gegenwärtig die wohl wichtigste Frage, wo es auf jeden ankommt. Es gibt eine Menge andere. Geht es darum, unsere Dörfer lebenswert zu erhalten, Kultur zu bewahren, tragen viele durch ihr „Ohne mich!“ aktiv zum Untergang bei. Sicher, weil wir erst wissen, was wir verloren haben, wenn es weg ist.

Die Geschichte von Jona ist nur eine von vielen, die von Gottes Barmherzigkeit und der Möglichkeit einer Rettung erzählen. Aber es geht nie ohne Menschen, die sich rufen, ja, berufen lassen und Propheten werden – mit dem Wort und mit der Tat.

Seien Sie dabei!
Ihr Superintendent Christian Cordes